Warum dieses Thema relevant ist
Wenn du bei einer Begegnung wissen willst, wer ausweichen muss, starte nie mit der Antwortformel, sondern mit der Lageanalyse. Ausweichregeln sind im SBF keine lose Sammlung von Merksätzen, sondern ein Entscheidungssystem. In der Prüfung musst du zuerst erkennen, welche Lage überhaupt vorliegt: Gibt es Kollisionsgefahr? Begegnen sich zwei Maschinenfahrzeuge, zwei Segelfahrzeuge, ein Kleinfahrzeug und ein größeres Fahrzeug oder liegt eine Sonderstellung wie Überholen, fischendes Fahrzeug, manövrierunfähig oder verminderte Sicht vor? Erst danach lässt sich sicher sagen, wer Kurshalter ist und wer ausweichen muss.
Darum lohnt sich das Thema in der Praxis und in der Prüfung
Ausweichregeln gehören zu den Themen, bei denen viele Lernende nicht nur eine Antwort auswendig lernen, sondern eine Entscheidung treffen müssen. Gute Seiten müssen deshalb Situation, Fahrzeugart und Regelkette gemeinsam erklären und anschließend in passende Trainerfragen überleiten.
Darauf solltest du besonders achten
- Die Situation falsch einordnen und danach die falsche Regel korrekt anwenden.
- Kollisionsgefahr nicht zuerst prüfen und dadurch eine Regel anwenden, die noch gar nicht greift.
- Fahrzeugart, Sonderstatus und Binnenbesonderheiten vermischen.
- Kurshalter mit Vorrang verwechseln und dadurch das letzte sichere Manöver übersehen.
Mehr zu Ausweichregeln
Hohe Relevanz für SBF Binnen und SBF See, besonders bei Begegnungen, Querungen und sicherem Verhalten im Fahrwasser.
Abschnitt Wie du Ausweichregeln in der Prüfung richtig liest
Die häufigsten Fehler entstehen nicht bei der Einzelformel, sondern schon davor: Die Situation wird falsch eingeordnet und dann wird die falsche Regel sauber angewendet.
- Dann die Fahrzeugarten und Sonderstatus bestimmen: Maschinenfahrzeug, Segelfahrzeug, Kleinfahrzeug, manövrierunfähig, manövrierbehindert, fischendes Fahrzeug.
- Danach die Lage einordnen: Gegenkurs, kreuzende Kurse, Überholen, Segelbegegnung, Sonderregel im Binnenbereich oder freie See.
- Erst am Ende die Rollen zuordnen: Kurshalter und Ausweichpflichtiger.
- Merke: Eine speziellere Regel schlägt die allgemeinere. Deshalb ist nicht jede Lage einfach nur Motor gegen Motor oder Segel vor Motor.
Abschnitt Wann überhaupt Kollisionsgefahr besteht
Bevor du über Vorrang sprichst, musst du wissen, ob überhaupt die Gefahr eines Zusammenstoßes besteht. Ohne diese Vorfrage kann die richtige Ausweichregel nicht sauber geprüft werden.
- Kollisionsgefahr besteht, wenn sich zwei Fahrzeuge bei gleichbleibender oder nahezu gleichbleibender Peilung einander nähern.
- Nicht jede Annäherung ist automatisch gefährlich; entscheidend ist die gleichbleibende Peilung.
- Wenn die Peilung gleich bleibt und der Abstand kleiner wird, laufen beide Fahrzeuge auf einen gemeinsamen Treffpunkt zu.
- Gerade diese Vorfrage ist prüfungsentscheidend, weil ohne Kollisionsgefahr keine normale Ausweichlage vorliegt.
- Viele Kandidaten schauen nur auf den Kurs des anderen Fahrzeugs und übersehen, dass die Peilung der bessere Warnhinweis ist.
Abschnitt 🚤 gegen 🚤: Gegenkurs und kreuzende Kurse
Diese Regeln sind das Grundgerüst für normale Begegnungen zwischen Maschinenfahrzeugen. Sie werden in Binnen und See in ähnlicher Kernlogik immer wieder abgefragt.
- 🚤 Gegenkurs: Beide Fahrzeuge gehen nach Steuerbord ↘, damit die Begegnung backbord an backbord erfolgt.
- Die Standardbegegnung lautet also: ← backbord an backbord, nicht nach Backbord ausweichen.
- 🚤 Kreuzende Kurse: Ausweichpflichtig ist das Fahrzeug, das das andere an seiner Steuerbordseite hat.
- Der Kurshalter ist das Fahrzeug, das den anderen an seiner Backbordseite sieht.
- Diese Regel gilt nur, wenn nicht eine speziellere Rangregel greift, etwa Kleinfahrzeug gegen größeres Fahrzeug oder Sonderstatus.
- Prüfungsfalle: Backbord und Steuerbord immer aus Sicht des eigenen Fahrzeugs lesen, nicht aus Sicht des Betrachters.
Abschnitt ↗ Überholen: immer ein eigener Sonderfall
Überholen ist keine normale Kreuzungslage. Genau deshalb hat das Überholen eigene Regeln, die vor anderen Begegnungsformen geprüft werden müssen.
- Ein überholendes Fahrzeug ist immer ausweichpflichtig.
- Überholer ist, wer sich aus einer Richtung von mehr als 22,5 Grad achterlicher als querab nähert.
- Diese Definition ist wichtig, weil davon abhängt, ob Überholregel oder Kreuzungsregel gilt.
- Überholen ist in typischen Gefahrenbereichen verboten, etwa an Engstellen, in unübersichtlichen Krümmungen, in Schleusenbereichen, auf gekennzeichneten Strecken und nahe nicht frei fahrender Fähren.
- Prüfungsfalle: Nicht die praktisch sinnvolle Nebenpflicht wählen, sondern die Hauptaussage erkennen: Überholer weicht aus.
Abschnitt ⛵ gegen ⛵: Windseite schlägt Blickrichtung
Bei Segelfahrzeugen wird nicht zuerst nach links und rechts im Bild entschieden, sondern nach Windseite und Luv-Lee-Lage. Genau das ist der klassische SBF-Stolperstein.
- Haben zwei Segelfahrzeuge den Wind nicht von derselben Seite, weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord.
- Haben beide den Wind von derselben Seite, weicht das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen.
- Luv und Lee sind keine Dekoration, sondern die eigentliche Regel bei gleicher Windseite.
- Wenn die Windseite in einer unklaren Lage nicht sicher festgestellt werden kann, darf das Backbord-Boot sich nicht blind auf Vorrang verlassen.
- Prüfungsfalle: Die Skizze nicht optisch, sondern seglerisch lesen.
Abschnitt Binnen: Kleinfahrzeuge, Segel, Motor und große Fahrzeuge
Im Binnenbereich kommen zu den Grundregeln noch Rangregeln hinzu, die viele Standardlagen verändern. Deshalb musst du dort zuerst die Fahrzeugkategorie lesen.
- Ein Kleinfahrzeug muss Fahrzeugen, die keine Kleinfahrzeuge sind, nicht nur ausweichen, sondern ihnen den für ihr Manöver nötigen Raum lassen.
- Ein Kleinfahrzeug ist gegenüber einem Fahrzeug über 20 m Länge ausweichpflichtig, auch wenn die bloße Kreuzungslage etwas anderes vermuten lässt.
- Ein Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb weicht einem Kleinfahrzeug unter Segel aus.
- Das Segelfahrzeug ist in dieser Lage Kurshalter und hält zunächst Kurs und Geschwindigkeit bei.
- 🔵 Blaue Tafel mit weißem Funkellicht bedeutet auf Binnenwasserstraßen: Begegnung an Steuerbord. Das kehrt den Standardfall backbord an backbord bewusst um.
- Prüfungsfalle: Im Binnenbereich nicht automatisch die Grundregel anwenden, wenn eine speziellere Rangregel greift.
Abschnitt Sonderfahrzeuge und freie See: wer trotz Segel oder Motor Vorrang hat
Außerhalb des Fahrwassers und im freien Seeraum gelten die Grundregeln weiter, aber besondere Fahrzeugarten mit eingeschränkter Beweglichkeit gehen vor den normalen Fahrzeugen.
- 🚤 weicht ⛵: Ein Maschinenfahrzeug muss einem Segelfahrzeug ausweichen, wenn Kollisionsgefahr besteht und keine speziellere Regel entgegensteht.
- ⛵ weicht 🎣: Ein Segelfahrzeug muss einem fischenden Fahrzeug ausweichen.
- 🚤 weicht 🎣: Auch das Maschinenfahrzeug muss dem fischenden Fahrzeug ausweichen.
- 🚤 weicht manövrierunfähig und manövrierbehindert: Die eingeschränkte Beweglichkeit des anderen Fahrzeugs bestimmt die Vorranglage.
- Die Rangfolge folgt also nicht bloß dem Merksatz Segel vor Motor, sondern dem tatsächlichen Bewegungs- und Arbeitsstatus.
- Prüfungsfalle: Den Regelfall auswendig anwenden und die speziellere Schutzregel übersehen.
Abschnitt Kurshalter und Ausweichpflichtiger: wer was tun muss
Viele Fragen enden nicht bei der Rollenverteilung, sondern wollen das konkrete Verhalten prüfen. Gerade dort trennt die Prüfung sichere Regelkenntnis von bloßem Bauchgefühl.
- Der Ausweichpflichtige muss frühzeitig, durchgreifend und klar erkennbar manövrieren.
- Der Kurshalter hält zunächst Kurs und Geschwindigkeit bei, damit seine Bewegung berechenbar bleibt.
- Kurshalter sein bedeutet nicht Untätigkeit für immer, sondern zunächst berechenbar bleiben.
- In Mehrbootlagen müssen die Rollen paarweise und systematisch geprüft werden.
- Prüfungsfalle: Aus Unsicherheit als Kurshalter zu früh selbst ausweichen und dadurch die Lage verschlechtern.
Abschnitt ⚠️ Wenn es kippt: Warnsignal und Manöver des letzten Augenblicks
Hier endet die normale Rollenlogik. Das Manöver des letzten Augenblicks ist die Notreaktion des Kurshalters, wenn der Ausweichpflichtige seine Pflicht nicht erfüllt.
- Vor dem Manöver des letzten Augenblicks bleibt der Kurshalter zunächst auf Kurs und hält die Fahrt.
- Kommt der Ausweichpflichtige seiner Pflicht nicht nach und droht eine unmittelbare Kollision, muss der Kurshalter selbst handeln.
- Das Manöver des letzten Augenblicks ist also nicht das normale Ausweichmanöver des Ausweichpflichtigen, sondern die letzte Rettungsreaktion des Kurshalters.
- Mindestens fünf kurze Töne dienen als Warnsignal, wenn das Verhalten des anderen Fahrzeugs Zweifel oder Gefahr erkennen lässt.
- Die Eskalationslogik lautet: Lage erkennen, warnen, dann notfalls selbst eingreifen.
Abschnitt 🌫️ Bei verminderter Sicht gelten andere Denkwege
Bei verminderter Sicht darfst du eine unsichere Lage nicht wie eine normale Sichtbegegnung behandeln. Genau hier wird in Prüfungen gern geprüft, ob du zwischen Sicht- und Unsicherheitslage unterscheiden kannst.
- Hörst du bei verminderter Sicht ein anderes Fahrzeug anscheinend vorlicher als querab, leitest du nicht blind ein normales Sicht-Ausweichmanöver ein.
- Stattdessen reduzierst du die Fahrt so weit, dass die Steuerfähigkeit erhalten bleibt, stoppst notfalls ganz auf und manövrierst erst dann vorsichtig weiter.
- Die Lage bleibt so lange eine Unsicherheitslage, bis die Kollisionsgefahr besser beurteilt werden kann.
- Schallsignale und vorsichtige Fahrt sind hier wichtiger als ein vorschneller Regelautomatismus.
- Prüfungsfalle: Sichtregeln anwenden, obwohl die Lage akustisch und nicht sicher optisch erfasst ist.
Abschnitt Typische Fehler
Fast alle Fehler entstehen durch falsche Reihenfolge im Denken: erst falsche Lage gewählt, dann falsche Regel sauber angewendet.
- Kollisionsgefahr nicht sauber über die gleichbleibende Peilung prüfen.
- Backbord und Steuerbord aus Sicht des Bildes statt aus Sicht des eigenen Fahrzeugs lesen.
- Überholen als normale Kreuzung behandeln.
- Segelregeln anwenden, obwohl schwarzer Kegel und damit Maschinenstatus vorliegen.
- Kurshalter und Ausweichpflichtigen verwechseln oder das Manöver des letzten Augenblicks mit dem normalen Ausweichmanöver gleichsetzen.
Abschnitt Merke dir
Erst prüfen: Kollisionsgefahr? Dann Fahrzeugarten und Sonderstatus bestimmen. Danach Begegnungstyp lesen. Erst dann entscheiden, wer Kurshalter und wer ausweichpflichtig ist. Ausweichregeln sind ein System, kein loser Merksatzblock.
Häufige Fragen
Wer weicht bei kreuzenden Motorbooten aus?
Ausweichpflichtig ist das Fahrzeug, das das andere an seiner Steuerbordseite hat. Das andere Fahrzeug ist Kurshalter. Diese Grundregel gilt aber nur, wenn nicht eine speziellere Rangregel oder ein Sonderstatus Vorrang hat.
Gilt Überholen als eigene Ausweichlage?
Ja. Überholen ist keine normale Kreuzungslage, sondern ein eigener Sonderfall. Das überholende Fahrzeug ist immer ausweichpflichtig. Genau deshalb muss in Prüfungen oft zuerst geklärt werden, ob überhaupt ein Überholen vorliegt.
Wer weicht aus: Segel oder Maschine?
Im Regelfall weicht ein Maschinenfahrzeug einem Segelfahrzeug aus. Diese Faustregel gilt aber nur, wenn keine speziellere Schutzregel oder kein besonderer Status wie fischend, manövrierunfähig oder manövrierbehindert vorliegt.
Quellen
Amtlicher Fragenkatalog für SBF Binnen und SBF See, Themenfeld Ausweichregeln, zuletzt geprüft am 28.4.2026.
Verdichtet aus offiziellen SBF-Binnen- und SBF-See-Fragen zu Kollisionsgefahr, Begegnungsregeln, Segelregeln, Überholen, Sonderfahrzeugen und Notlogik des Kurshalters.
- Amtlicher Fragenkatalog SBF Binnen und SBF See - Cluster: Ausweichregeln
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